10.01.2021 / Liga

"Hessens Fußball stellt sich auf knackige Restrunde ein"

Während die Profis unbeirrt kicken, müssen Hessens Amateure weiter die Füße still halten. Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist nicht in Sicht. Notfallpläne für den Re-Start liegen aber bereit.

Wann geht es weiter im heimischen Amateurfußball? Eine seriöse Prognose dazu kann und will Jürgen Radeck nicht abgeben. Da geht es dem für den Spielbetrieb verantwortlichen Vorstand des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) wie den meisten anderen Menschen in Deutschland. "Ich will keine Luftschlösser bauen", sagt Radeck im Gespräch mit dem hr-sport. Wie sollten diese auch aussehen? Fest steht nach der Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar nur: Bis mindestens Anfang Februar passiert auf den Fußballplätzen der Amateure in Hessen definitiv nichts.

Seit dem die letzten Spiele Ende Oktober abgepfiffen wurden, befinden sich tausende Amateurkicker des Landes im Wartestand. Joggen und Däumchendrehen, so sehen die meisten individuellen Trainingspläne derzeit aus. Manche Vereine haben ihre Einheiten auf die Plattform Zoom verlegt. Eine Hoffnung teilen alle: bald wieder Gras fressen und in der Vereinskneipe über die wichtigste Nebensache der Welt philosophieren zu können.

(Foto: TSV/Stein)


Halbserie rechtfertigt Auf- und Abstiege

Für diese Zeit hat man beim Verband vorgesorgt. Bereits im November wurden Rahmenpläne für eine Fortsetzung des Spielbetriebs erarbeitet. Also einen für Spielbeginn Januar (der landete laut Radeck bereits im Papierkorb), einen für Februar und einen für März. Das feste Ziel des HFV: zumindest die Hinrunde in sämtlichen Amateurligen irgendwie zu Ende zu bringen. "Dann", sagt der Funktionär, "hätten wir eine faire Grundlage, um eventuell sagen zu können, wir bewerten die Runde sportlich."

Übersetzt heißt das: Bekommt der Verband die restlichen Spieltage bis zum Ende der Hinserie irgendwie absolviert, dürften auch in diesem Sommer Aufstiege gefeiert und Abstiege betrauert werden. Nur: Bis zum 30. Juni, dem traditionellen Ende des Fußballjahres, muss das passiert sein. Eine Nachspielzeit über diesen Stichtag hinaus wird es nicht geben.

 

Großer Teil der Einnahmen bricht weg

Doch nicht nur mit Blick auf den Spielplan drängt die Zeit. Das Wettbewerbsverbot bringt die Amateurvereine auch finanziell an die Belastbarkeitsgrenze. Als "reine Katastrophe" bezeichnete der Chef des Landessportbunds (LSB), Rolf Müller, die aktuelle Lage für die hessischen Vereine - nicht nur im Fußball, der sich im Regelfall mit Zuwendungen von örtlichen Sponsoren und vor allem Einnahmen durch Eintritt, Wurst- und Getränkeverkäufe an den Spieltagen über Wasser hält. Diese fallen seit Monaten weg.

Da die meisten Amateurfußballer nicht vertraglich an ihre Clubs gebunden sind, sondern sich mit sogenannten Aufwandsentschädigungen etwas dazu verdienen, müssen die Vereine nicht zwangsläufig Spieler fürs Nichtstun bezahlen, sind aber oftmals auf den guten Willen aller Beteiligten angewiesen. 

LSB-Präsident Müller fürchtet zudem, dass mancher Hesse angesichts der langen Durststrecke dem Amateursport den Rücken zuwenden könnte. "Bleiben die jungen Sportler bei der Stange? Oder sagen sie, Playstation ist ja auch ganz prima", fragte er kürzlich in den Zeitungen der VRM-Gruppe. An dieser Stelle sei der beruhigende Hinweis erlaubt: Erfahrungsgemäß bringen Nachwuchsfußballer beides ganz gut unter den Hut.

Quelle: hessenschau.de

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Seite zuletzt geändert am: 21. Januar 2021